Normkonformität & Nachweis

DIN EN 61439 Stückprüfprotokoll:
Was Elektriker beim Kauf wissen müssen

Fertige Unterverteilungen müssen nach DIN EN 61439 einzeln geprüft werden, bevor sie den Hersteller verlassen. Dieses Protokoll ist kein Beiwerk — es entscheidet darüber, ob die einbauende Elektrofachkraft bei der Abnahme sauber dokumentiert ist.

Normanforderung

Was DIN EN 61439 bei Schaltgerätekombinationen fordert

DIN EN 61439 ist die Produktnorm für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen — also für alle Gehäuse, in denen Leitungsschutzschalter, FI-Schutzschalter und weitere Reihengeräte werksseitig zusammengebaut werden. Unterverteilungen fallen typischerweise unter Teil 1 (Allgemeine Regeln) und Teil 3 (Verteilungen für den Betrieb durch Laien).

Die Norm unterscheidet zwei Prüfebenen, die beide Pflicht sind:

  • Entwurfsverifikation (Abschnitt 10): Einmaliger Nachweis, dass ein bestimmter Aufbau die Normforderungen erfüllt. Gilt für den Entwurf, nicht für die einzelne Einheit.
  • Stückprüfung (Abschnitt 11): Individuelle Prüfung jedes einzeln gefertigten Exemplars durch den Hersteller — unabhängig davon, wie viele baugleiche Einheiten bereits produziert wurden.

Wer als Hersteller fertige Unterverteilungen verkauft, muss jede Einheit vor der Auslieferung prüfen und das Ergebnis dokumentieren. Diese Dokumentation ist das Stückprüfprotokoll.

Praxis-Hinweis

Wer ist Hersteller im Sinne der Norm?

Hersteller ist, wer die Schaltgerätekombination zusammenbaut und in Verkehr bringt — auch als Handwerksbetrieb. Wer Unterverteilungen werksseitig montiert und verkauft, übernimmt die Herstellerpflichten nach DIN EN 61439.

Steffens ElektroWorks erfüllt diese Pflichten vollständig: Entwurfsverifikation liegt vor, jede Einheit wird individuell geprüft und mit Protokoll geliefert.

Abschnitt 11

Was die Stückprüfung im Einzelnen beinhaltet

Abschnitt 11 von DIN EN 61439-1 legt fest, welche Prüfschritte an jeder fertig aufgebauten Einheit durchzuführen sind. Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Prüfpunkte in der Praxis:

Pkt. Prüfschritt Was geprüft wird
11.2 Schutzgrad (IP) Sichtprüfung: Gehäuse vollständig montiert, Durchführungen verschlossen — IP-Angabe entspricht Typenschild.
11.3 Luft- und Kriechstrecken Visuell: ausreichende Abstände zwischen spannungsführenden Teilen und Erdpotenzial. Kritisch bei manuell gesetzten Sammelschienen.
11.4 Schutzleiterführung Prüfung der Schutzleiterverbindungen: PE-Schiene korrekt geerdet, Durchgangswiderstand im zulässigen Bereich.
11.5 Eingebaute Bauteile Sichtkontrolle gegen Stückliste: richtiger Typ, richtiger Nennstrom, FI-Typ (A/F/B), korrekte Polzahl — kein Abweichen von der Bestellung.
11.6 Verdrahtung & Verbindungen Elektrische Durchgangsprüfung aller internen Leitungsverbindungen; Klemmensitze und Querschnittzuordnung prüfen.
11.7 Mechanisches Schalten Funktionsprüfung: jeder Schalter EIN/AUS, FI-Prüftaste, Hauptschalter (sofern verbaut) — mechanische Beweglichkeit aller Schaltgeräte.
11.8 Spannungsfestigkeit Hochspannungsprüfung (nach Norm, typisch 1 kV AC / 1 s zwischen Hauptstromkreis und Erde) oder gleichwertiger Nachweis per Isolationsmessung.
11.9 / 11.10 Funktion & Kennzeichnung Schaltfunktion unter Betriebsbedingungen; Typenschild vollständig (Nennspannung, Nennstrom, Hersteller, Seriennummer, CE).

Quelle: DIN EN 61439-1:2021. Maßgeblich ist stets die gültige Normausgabe — Angaben dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine normkonforme Fachauskunft.

Abnahmepflicht

Warum die einbauende Elektrofachkraft das Protokoll für VDE 0100-600 braucht

VDE 0100-600 (Erstprüfung von Niederspannungsanlagen) verpflichtet die ausführende Elektrofachkraft, jede neue oder wesentlich veränderte Anlage vor der Übergabe zu prüfen und zu dokumentieren. Dazu gehören:

  • Sichtprüfung: Ist das eingebaute Material für den Verwendungszweck geeignet? Entspricht es den Anforderungen der zutreffenden Produktnormen?
  • Erproben und Messen: Durchgangsprüfung PE, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, FI-Auslösung.
  • Prüfbericht: Schriftliche Dokumentation aller Ergebnisse, die beim Auftraggeber verbleibt.

Wenn eine fertig aufgebaute Unterverteilung eingebaut wird, beantwortet das Stückprüfprotokoll des Herstellers eine zentrale Frage der Sichtprüfung: „Wurde diese Schaltgerätekombination normgerecht gebaut und geprüft?"

Ohne diesen Nachweis trägt die einbauende Fachkraft im Streit- oder Schadensfall das volle Haftungsrisiko für die eingekaufte Komponente — ohne belegen zu können, dass der Hersteller seine Prüfpflicht erfüllt hat.

Zwei Szenarien

Mit Stückprüfprotokoll:

Hersteller hat geprüft und dokumentiert. Die Elektrofachkraft übernimmt das Protokoll in die Abnahmedokumentation. Bei Reklamation liegt der Herstellernachweis vor.

Ohne Protokoll:

Kein Nachweis, welche Prüfungen durchgeführt wurden. Die Fachkraft trägt im Zweifelsfall das volle Haftungsrisiko für die Komponente mit.

Checkliste

Was beim Kauf einer fertigen Unterverteilung zu prüfen ist

Bevor Sie eine fertig aufgebaute Unterverteilung von einem Anbieter beziehen, sollten diese Punkte geklärt sein:

1. Stückprüfprotokoll vorhanden?

Liegt eine individuelle Prüfdokumentation für genau diese Einheit (nicht nur ein Typmuster) bei? Seriennummer auf Protokoll und Gerät müssen übereinstimmen.

2. CE-Kennzeichnung & Typenschild vollständig?

CE-Zeichen auf dem Gehäuse, vollständiges Typenschild mit Nennspannung, Nennstrom, Hersteller und Baujahr. Pflicht nach EU-Niederspannungsrichtlinie.

3. Stückliste (BOM) beigelegt?

Welche Komponenten sind verbaut? Typ, Hersteller, Nennstrom, Polzahl und FI-Typ (A/F/B) müssen aus dem Lieferdokument hervorgehen — nicht nur aus dem Produktfoto.

4. Nenn- und Kurzschlussfestigkeit zum Einsatzort?

Nennspannung (230 V / 400 V), Nennstrom und der vom Netzbetreiber genannte prospektive Kurzschlussstrom am Einbauort müssen zur Auslegung passen.

5. FI-Typ zum Einsatzfall?

FI Typ A für Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme (Standard Wohn-/Gewerbe). FI Typ F oder B bei Frequenzumrichtern oder bestimmten Ladeeinrichtungen — im Protokoll prüfen, nicht annehmen.

6. Ansprechpartner für Rückfragen?

Kann der Hersteller technische Fragen beantworten — bei Sonderausbau, Schaltplan-Anfragen oder Normfragen? Anonym-Produkte ohne Support sind ein Haftungsrisiko.

Transparenz

Muster-Protokoll ansehen

So dokumentieren wir jede Einheit: Unser Muster-Stückprüfprotokoll zeigt, welche Prüfschritte wir für P1, P2 und P3 durchführen und wie das Ergebnis festgehalten wird.

Muster-Prüfprotokoll ansehen →
Direktbestellung

Unterverteilung mit Protokoll bestellen

Alle Standardprodukte (P1 · P2 · P3) werden geprüft geliefert — Stückprüfprotokoll und Stückliste liegen jeder Sendung bei. Festpreise netto: 159 € / 369 € / 249 €.

Häufige Fragen

Was Elektriker zum Thema DIN EN 61439 fragen

Was ist eine Stückprüfung nach DIN EN 61439?

Die Stückprüfung (Abschnitt 11 DIN EN 61439-1) ist die individuelle Prüfung jeder einzelnen fertig aufgebauten Schaltgerätekombination durch den Hersteller. Sie umfasst Sichtprüfung, Verdrahtungsprüfung, mechanische Schaltprüfung und Spannungsfestigkeitsprüfung. Das Ergebnis wird im Stückprüfprotokoll festgehalten, das der Lieferung beizulegen ist.

Was ist der Unterschied zwischen Typprüfung (Entwurfsverifikation) und Stückprüfung?

Die Entwurfsverifikation (Abschnitt 10) weist einmalig nach, dass ein bestimmter Aufbau normkonform ist. Sie gilt für den Entwurf, nicht für die einzelne Einheit. Die Stückprüfung dagegen prüft jedes gefertigte Gerät individuell — unabhängig davon, wie oft dieser Typ bereits gebaut wurde. Beide Ebenen sind Pflicht: ohne Entwurfsverifikation keine Grundlage, ohne Stückprüfung kein Auslieferungsnachweis.

Warum braucht der Elektriker das Protokoll bei der VDE-0100-600-Abnahme?

VDE 0100-600 verlangt von der ausführenden Elektrofachkraft die Sichtprüfung des eingebauten Materials — einschließlich des Nachweises, dass Produkte den zutreffenden Produktnormen entsprechen. Das Stückprüfprotokoll des Herstellers liefert genau diesen Nachweis und ist damit Bestandteil einer vollständigen Abnahmedokumentation. Ohne es fehlt ein Dokument, das bei späteren Reklamationen die Verantwortungsbereiche klar trennt.

Gilt DIN EN 61439 auch für kleine Unterverteilungen?

Ja. DIN EN 61439 gilt für alle Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen bis 1000 V AC, die werksseitig aufgebaut und in Verkehr gebracht werden — unabhängig von ihrer Größe. Auch eine Unterverteilung mit 8 Teilungseinheiten ist eine Schaltgerätekombination im Sinne der Norm, wenn sie als Einheit verkauft wird.

Welchen FI-Typ schreibt DIN EN 61439 vor?

DIN EN 61439 macht keine Vorgabe zum FI-Typ — die Norm regelt den Aufbau und die Prüfung der Schaltgerätekombination. Welcher FI-Typ (A, F oder B) für einen Einsatzort gefordert ist, ergibt sich aus der Anwendungsnorm (z. B. DIN VDE 0100-722 für Ladeeinrichtungen) und dem konkreten Verwendungszweck. Unsere Standardprodukte P1/P2/P3 sind mit FI Typ A ausgestattet; auf Anfrage auch Typ F oder B lieferbar.

Nachweis statt Behauptung

Normkonform geprüft. Dokumentiert geliefert.

Jede Unterverteilung von Steffens ElektroWorks verlässt die Fertigung mit ausgefülltem Stückprüfprotokoll, Stückliste und CE-Dokumentation. Festpreis, kein Rückfragen.