Ratgeber für Elektrobetriebe

AFDD Lichtbogenschutz:
Wann Pflicht — wie in die Unterverteilung?

Lichtbögen durch beschädigte Kabel oder gelockerte Klemmen sind häufige Brandursachen — und bleiben für FI und LS unsichtbar. AFDD-Schalter schließen diese Lücke. Was Elektrobetriebe bei Planung und Platzierung in der Unterverteilung wissen müssen.

Grundlagen

Was ein AFDD erkennt — und was nicht

Der AFDD (Arc Fault Detection Device) — auf Deutsch auch Lichtbogen-Fehlerschutzschalter oder Brandschutzschalter — erkennt serielle und parallele Lichtbögen in Leitungsanlagen. Diese entstehen durch:

  • beschädigte oder gequetschte Kabelisolierungen
  • gelockerte Klemmen und Schrauben in Verteilern und Gerätedosen
  • Alterung von Kabeln in Holzbalkenkonstruktionen
  • Nagetier-Verbiss an Leitungen

Solche Lichtbögen erzeugen hochfrequente Stromsignale. Der AFDD wertet diese kontinuierlich aus und löst aus, bevor ein Schwelbrand entsteht. Der Standard-FI reagiert auf Fehlerströme zur Erde — nicht auf Lichtbögen in der Leitung selbst. Der LS-Schalter löst bei Überströmen und Kurzschlüssen aus — nicht bei den kleinen, intermittierenden Energiemengen eines Lichtbogens.

Planungshinweis: Dieser Ratgeber gibt eine Orientierung für Elektrofachbetriebe. Die normkonforme Ausführung, Typenauswahl und Schutzkonzeptentscheidung liegen beim errichtenden Elektrofachbetrieb. Maßgeblich sind die jeweils gültigen VDE-Normen und die Installationsanleitungen der Hersteller.

Schutzgeräte im Vergleich

Was schützt wogegen?

FI (RCD)Fehlerströme zur Erde — Personenschutz bei Körperdurchströmung; kein Lichtbogenschutz LS (MCB)Überströme und Kurzschlüsse — Leitungsschutz; kein Lichtbogenschutz AFDDSerielle und parallele Lichtbögen — Brandschutz; kein Personenschutz, kein Überstromschutz

AFDD ersetzt FI und LS nicht — er ergänzt sie. In der Praxis: AFDD + LS in Kombination je Abgang, dazu FI für Personenschutz.

Normen & Anwendungsfälle

Wo AFDD besonders empfohlen oder gefordert wird

Die DIN VDE 0100-420 (Schutz gegen thermische Auswirkungen, aktuell gültige Ausgabe) enthält Anforderungen und Empfehlungen zum Lichtbogenschutz, insbesondere für:

Anwendungsfall Begründung
Schlaf- und Kinderzimmer Erhöhtes Risiko bei schlafenden Personen — kein frühzeitiges Bemerken von Schwelbränden
Räume mit brennbaren Baustoffen Holzbalkendecken, Fachwerk, Reetdach — hohes Brandlastrisiko bei Lichtbogen
Historische und denkmalgeschützte Gebäude Alte Leitungen (Aluminium, Textilummantelung), schwer zu prüfende Leitungswege
Mietgebäude & Bestandssanierung Leitungen oft im Putz, Alterung schwer beurteilbar — AFDD als Kompensationsmaßnahme
Neubauten (je nach Gebäudekategorie) In bestimmten Gebäudekategorien von DIN VDE 0100-420 für ausgewählte Räume vorgesehen

Die verbindliche Planung und Entscheidung über AFDD-Einsatz liegt beim Elektrofachbetrieb — dieser Ratgeber kann keine normative Auskunft ersetzen. Bei Fragen zur konkreten Anwendungspflicht im Einzelfall: IHK-Elektrorechtsberatung oder zuständiger Netzbetreiber.

Technische Planung

TE-Platzbedarf: So viel Raum braucht AFDD in der Unterverteilung

AFDD-Schalter nehmen — je nach Hersteller und Ausführung — 1–2 TE pro Abgang in Anspruch. In der Praxis gibt es zwei gängige Einbauformen:

  • AFDD-LS-Kombination: Ein Gerät kombiniert Lichtbogenschutz und Überstromschutz. Typisch 2–3 TE breit. Vorteil: kompakter Aufbau, klare Verdrahtung.
  • AFDD als Add-on vor vorhandenem LS: Der AFDD wird separat installiert und mit dem LS des gleichen Herstellers verbunden. Typisch 1–2 TE zusätzlich zum LS.

Für eine Unterverteilung mit vier AFDD-geschützten Abgängen ergibt sich ein Beispielaufbau:

Gerät TE-Bedarf
1× FI 40A/30mA (Personenschutz) 2 TE
4× AFDD-LS-Kombination B16 (je 2–3 TE) 8–12 TE
2× LS B16 (Abgänge ohne AFDD-Pflicht) 2 TE
Gesamt (inkl. 2–4 TE Reserve) 14–20 TE

Eine 8-TE-Unterverteilung (P1) reicht für AFDD-Ausstattung in der Regel nicht aus. Eine 24-TE-Unterverteilung (P2) ist die wirtschaftlich sinnvolle Basis — sie deckt AFDD-Abgänge, FI-Schutz und Reserve in einer Einheit ab.

Planungsregel

AFDD nachrüsten oder neu planen?

Ob eine bestehende UV ausreichend Platz für AFDD-Nachrüstung bietet, hängt von freien TE-Plätzen und dem Hersteller-System ab.

  • Freie TE vorhanden, gleicher Hersteller: Nachrüstung oft möglich
  • Keine freien TE, Mischsystem: Neue UV empfehlenswert
  • Bestandsanlage mit Aluminium-Leitungen: Gesamtsanierung prüfen

Entscheidungsgrundlage ist immer der befundende Elektrofachbetrieb.

Unsere Produkte

Unterverteilungen mit Platz für AFDD

P2 — 24 TE

P2 Wohnungsverteiler

24 TE, 2-reihig. Ausreichend Platz für AFDD-LS-Kombinationen an mehreren Abgängen plus FI-Schutz und Reserve. Fertig verdrahtet, Stückprüfprotokoll nach DIN EN 61439 inklusive.

369 € netto

Zur Produktseite
Sonderanfertigung

Individuelle AFDD-Konfiguration

Mehr AFDD-Abgänge, spezifisches Marken-System (Hager, Eaton, ABB, Siemens) oder größeres Gehäuse? Wir fertigen auf Anfrage. Alle Sonderanfertigungen werden normgeprüft und mit Stückprüfprotokoll geliefert.

Preis auf Anfrage

Anfrage stellen
Hinweis

Wir liefern — der Elektriker baut ein

Steffens ElektroWorks fertigt und liefert die Unterverteilung fertig bestückt, verdrahtet und geprüft. Einbau und Anschluss erfolgen durch den Elektrofachbetrieb Ihrer Wahl. So sparen Elektriker Bestückungs- und Prüfzeit auf der Baustelle.

P1, P2, P3 im Vergleich →
Häufige Fragen

AFDD in der Unterverteilung — FAQ

Was erkennt ein AFDD, was FI und LS nicht erkennen?

Der AFDD erkennt serielle Lichtbögen (z. B. in einer unterbrochenen, aber noch leitfähigen Ader) und parallele Lichtbögen (zwischen zwei Leitern). Diese erzeugen hochfrequente Stromsignale, die weder den Fehlerstrom zur Erde auslösen (FI) noch den Überstromauslöser betätigen (LS). Schwelbrände können so entstehen, ohne dass FI oder LS auslösen — der AFDD schließt diese Schutzlücke.

Wann ist AFDD nach DIN VDE 0100-420 erforderlich?

DIN VDE 0100-420 (aktuell gültige Ausgabe) sieht AFDD-Schutz vor allem für Räume mit erhöhtem Brandrisiko vor: Schlaf- und Kinderzimmer, Räume mit Holzbalkenkonstruktionen und historische Gebäude. Die verbindliche Entscheidung im Einzelfall trifft der Elektrofachbetrieb anhand der aktuellen Normversion und der Gebäudesituation. Eine allgemeine Beratung bietet die zuständige IHK oder ein Fachanwalt für Elektrorecht.

Wie viel TE braucht ein AFDD pro Abgang?

Typisch 1–2 TE für den AFDD selbst, dazu 1 TE für den zugehörigen LS-Schalter — also 2–3 TE gesamt pro AFDD-geschütztem Abgang. Kombinierte AFDD-LS-Geräte brauchen 2–3 TE in einem. Für 4 AFDD-Abgänge rechnen Sie mit ca. 8–12 TE nur für diesen Schutz, plus FI und Reserve. Eine 24-TE-Unterverteilung (P2) ist die empfohlene Basis.

Kann AFDD in jede Unterverteilung nachgerüstet werden?

Nur wenn genug freie TE-Plätze vorhanden sind und der Hersteller des installierten LS-Systems kompatible AFDD-Module anbietet. In kleinen 8-TE-Unterverteilungen reicht der Platz meist nicht. Eine neue, größere UV ist dann die wirtschaftlichere und sicherere Lösung.

Liefert Steffens ElektroWorks Unterverteilungen mit AFDD fertig bestückt?

Ja — als Sonderanfertigung auf Anfrage. Wir bestücken die Unterverteilung mit AFDD-LS-Kombinationen nach Ihren Vorgaben, verdrahten und prüfen sie nach DIN EN 61439. Sie erhalten ein fertiges, prüfprotokolliertes Gerät — Ihr Elektriker baut ein und schließt an. Anfragen über info@steffens-elektroworks.de oder das Kontaktformular.