Ratgeber für Elektrobetriebe

Hausbatteriespeicher & Unterverteilung:
FI-Typ, TE-Bedarf und Planung

Heimspeicher verändern die Anforderungen an die Unterverteilung: Batteriewechselrichter können Gleichfehlerströme erzeugen, die FI Typ A nicht sicher erkennt. Was Elektrobetriebe bei der Planung von PV + Speicher + Wallbox wissen müssen.

Grundlagen

Warum Hausbatteriespeicher die Unterverteilung beeinflussen

Ein AC-gekoppelter Batteriespeicher — heute die häufigste Bauform bei Neuinstallationen — enthält einen eigenen Wechselrichter. Dieser Wechselrichter speist Energie aus der Batterie ins Hausnetz ein und kann dabei Gleichfehlerströme über 6 mA erzeugen.

Das Problem: Ein handelsüblicher FI Typ A erkennt zuverlässig nur Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme. Gleichfehlerströme über 6 mA können ihn blind machen — er würde nicht mehr auslösen, auch wenn Menschen gefährdet wären.

Deshalb verlangen viele Speicherhersteller am Wechselrichter-Abgang entweder:

  • FI Typ B — erkennt alle Fehlerstromanteile inklusive glatte Gleichfehlerströme
  • FI Typ A mit integriertem DC-Überwachungsschutz (DCD) — wenn der Hersteller einen eingebauten DCD-Schutz zertifiziert hat

Maßgeblich ist immer die Herstellervorgabe für das jeweilige Gerät. Die normkonforme Auslegung liegt beim errichtenden Elektrofachbetrieb.

Planungshinweis: Dieser Ratgeber ist ein Orientierungsrahmen für Elektrofachbetriebe. Die normkonforme Auslegung, Typenauswahl und Schutzkonzeptentscheidung liegen beim errichtenden Elektrofachbetrieb. Maßgeblich sind die Herstellervorgaben des Speichersystems, DIN VDE 0100-712, VDE-AR-N 4105 sowie die jeweils gültigen VDE-Normen.

FI-Typen im Überblick

Welcher FI schützt wogegen?

Typ ACNur sinusförmige Wechselfehlerströme — heute selten eingesetzt Typ AWechselfehlerströme + pulsierende Gleichfehlerströme — Standard für Wallbox, PV, Haushaltsgeräte Typ FWie Typ A, zusätzlich Schutz bei Frequenzumrichtern — z. B. Wärmepumpen Typ BAlle Fehlerstromanteile inkl. glatte Gleichfehlerströme — häufig für Speicher-Wechselrichter

Herstellervorgabe des Speichersystems ist immer vorrangig — Normplanung durch den Elektrofachbetrieb.

Systemarchitektur

AC-Kopplung vs. DC-Kopplung: Was ändert sich in der UV?

Die Einbindung eines Batteriespeichers in ein PV-System erfolgt heute meist in einer von zwei Architekturen — beide haben unterschiedliche Konsequenzen für die Unterverteilung:

Eigenschaft AC-Kopplung DC-Kopplung
Wechselrichter Eigenständiger Batterie-WR + PV-WR getrennt Gemeinsamer Hybrid-WR für PV und Speicher
Anschluss Speicher an UV Eigener Abgang am Batterie-WR — eigener FI erforderlich Nur ein WR-Abgang für PV + Speicher
FI-Anforderung Speicher-WR Oft FI Typ B (Herstellervorgabe beachten) Nach Herstellervorgabe Hybrid-WR (Typ A/B)
TE-Bedarf (Speicher-Seite) +3–4 TE (FI Typ B + LS) Kein Extra-FI nötig; WR-Abgang wie PV-WR
Typische Hersteller BYD Box + kompatibler PV-WR; Solarwatt MyReserve (AC) Fronius GEN24 + BYD; SMA Sunny Boy Storage; E3/DC S10

In der Praxis dominiert heute die DC-Kopplung über Hybrid-Wechselrichter, da sie effizienter ist und einen einzigen Netzanschlusspunkt bietet. Die UV-Planung vereinfacht sich, weil nur ein WR-Abgang gebraucht wird — allerdings mit den FI-Vorgaben des Hybrid-WR-Herstellers.

Technische Planung

TE-Bedarf: PV + Speicher + Wallbox in einer Unterverteilung

Die häufigste Kombination in der Praxis: PV-Anlage + AC-Batteriespeicher + Wallbox. Diese drei Verbraucher benötigen jeweils eigene Schutzgeräte mit unterschiedlichen FI-Anforderungen. Ein Beispielaufbau für eine AC-gekoppelte Installation:

Gerät Typ TE
FI für Batterie-Wechselrichter Typ B 40A/30mA (per Hersteller-Vorgabe) 2 TE
LS für Batterie-Wechselrichter B16 oder B20 (nach WR-Auslegung) 1 TE
FI für PV-Wechselrichter Typ A 40A/30mA (einphasig, mit DCD oder Typ B) 2 TE
LS für PV-Wechselrichter B16 (nach AC-Ausgangsleistung) 1 TE
FI für Wallbox Typ A 40A/30mA (oder Typ B nach Herst.-Vorgabe) 2 TE
LS für Wallbox B16 oder B20 1 TE
Reserve (Überspannungsschutz, spätere Erweiterung) 4–6 TE
Gesamt 13–20 TE

Eine 8-TE-Unterverteilung (P1) reicht für diese Kombination nicht. Eine 24-TE-Unterverteilung (P2) ist der wirtschaftlich und planerisch sinnvolle Standard für PV + Speicher + Wallbox — sie bietet ausreichend Platz plus Reserve für Überspannungsschutz oder Erweiterungen.

Planungsregel

Hybrid-WR vereinfacht die UV

Bei DC-Kopplung über einen Hybrid-Wechselrichter entfällt der separate Batterie-WR-Abgang. Statt zwei WR-Abgängen gibt es nur einen — mit der FI-Anforderung des Hybrid-WR-Herstellers.

Ergebnis: ca. 3 TE weniger Bedarf — P2 (24 TE) bietet dann noch mehr Reserve für Überspannungsschutz und spätere Erweiterungen.

Normen & Anmeldung

Was beim Netzbetreiber angemeldet werden muss

Batteriespeicher, die ins öffentliche Netz einspeisen können, fallen unter die VDE-AR-N 4105 (Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz). Das bedeutet in der Praxis:

  • Anmeldepflicht beim Netzbetreiber — vor Inbetriebnahme, auch bei Speichern, die aus einer bestehenden PV-Anlage nachgerüstet werden
  • Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) — meist im Wechselrichter oder Speichersystem integriert; Nachweis gegenüber dem Netzbetreiber erforderlich
  • Marktstammdatenregister (MaStR) — Speicheranlage registrierungspflichtig bei der Bundesnetzagentur
  • DIN VDE 0100-712 — gilt für PV-Stromerzeugungsanlagen und deren AC-Anbindung; bei Speichern entsprechend anzuwenden

Die Anmeldung und normgerechte Inbetriebnahme ist Aufgabe des Elektrofachbetriebs. Dieser Ratgeber ersetzt keine normative Fachplanung.

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Hinweis

Wir liefern — der Elektriker baut ein

Steffens ElektroWorks fertigt und liefert die Unterverteilung fertig bestückt, verdrahtet und geprüft. Einbau, Anschluss und Inbetriebnahme erfolgen durch den Elektrofachbetrieb. Speicher-Inbetriebnahme und Netzbetreiber-Anmeldung liegen beim Installateur.

P1, P2, P3 im Vergleich →
Häufige Fragen

Hausbatteriespeicher & Unterverteilung — FAQ

Warum kann ein Batteriespeicher-Wechselrichter FI Typ A blind machen?

AC-gekoppelte Batteriespeicher-Wechselrichter können im Betrieb glatte Gleichfehlerströme über 6 mA erzeugen. FI Typ A erkennt diese nicht zuverlässig — er ist für Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme ausgelegt, nicht für glatten Gleichstrom. Sobald ein glatter Gleichfehlerstrom den FI Typ A sättigt, löst er auch bei gefährlichen Wechselfehlerströmen nicht mehr aus. FI Typ B ist breitbandig und erkennt alle Fehlerstromanteile.

Kann ich FI Typ A verwenden, wenn der Hersteller einen DCD-Schutz eingebaut hat?

Manche Hersteller zertifizieren ihre Speicher-Wechselrichter mit einem internen DC-Fehlerstromüberwachungsschutz (DCD). In diesem Fall erlauben sie FI Typ A am Abgang. Voraussetzung ist, dass der DCD normativ nachgewiesen ist und die Herstellervorgabe dies ausdrücklich erlaubt. Ohne diesen Nachweis ist FI Typ B die sichere Wahl. Die verbindliche Entscheidung trifft der Elektrofachbetrieb anhand der Installationsanleitungen und geltenden VDE-Normen.

Was ist der Unterschied zwischen AC-Kopplung und DC-Kopplung beim Batteriespeicher?

Bei AC-Kopplung haben PV-Wechselrichter und Batteriespeicher-Wechselrichter je einen eigenen Netzanschlusspunkt. Beide Geräte speisen AC-seitig ins Hausnetz ein — und jedes braucht einen eigenen FI-Abgang in der Unterverteilung. Bei DC-Kopplung über einen Hybrid-Wechselrichter wird die Batterie direkt auf der DC-Seite des PV-Systems angeschlossen. Es gibt nur einen Wechselrichter und damit nur einen Netzanschlusspunkt — die UV wird einfacher, aber der Hybrid-WR gibt seine eigene FI-Anforderung vor.

Muss ein Batteriespeicher beim Netzbetreiber angemeldet werden?

Ja — Speichersysteme, die rückspeisefähig sind oder mit einer PV-Anlage gekoppelt werden, sind nach VDE-AR-N 4105 beim Netzbetreiber anmeldepflichtig, auch wenn es sich um eine Nachrüstung handelt. Zusätzlich ist die Anlage im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur zu registrieren. Die Anmeldung ist Aufgabe des Elektrofachbetriebs.

Liefert Steffens ElektroWorks Unterverteilungen mit FI Typ B fertig bestückt?

Ja — als Sonderanfertigung auf Anfrage. Wir bestücken die Unterverteilung nach Ihren Vorgaben (z. B. FI Typ B für Speicher-WR, FI Typ A für PV-WR, LS nach Auslegung), verdrahten und prüfen nach DIN EN 61439. Sie erhalten ein fertiges, prüfprotokolliertes Gerät — Ihr Elektriker baut ein, schließt an und meldet beim Netzbetreiber an. Anfragen über info@steffens-elektroworks.de oder das Kontaktformular.