Leitungsschutzschalter B oder C:
Wann welche Auslösecharakteristik?
Typ B, C oder D — die Buchstaben stehen für die Auslösekurve des magnetischen Schnellauslösers. Die falsche Wahl führt entweder zu ungewolltem Auslösen beim Einschalten oder zu schlechterem Leitungsschutz bei Überlast. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede mit konkreten Anwendungsfällen.
Stand: August 2026 · Norm: DIN EN 60898-1 · Lesedauer: ~5 min
Was die Buchstaben bedeuten
Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, auch MCB) haben zwei Auslöser: einen thermischen Bimetall-Auslöser für anhaltende Überlast (träge) und einen elektromagnetischen Schnellauslöser für Kurzschlüsse (sofort). Die Auslösecharakteristik (Buchstabe B, C oder D) bestimmt nur den magnetischen Auslösepunkt — also den Vielfachen des Nennstroms, bei dem der LS binnen Millisekunden auslöst.
| Typ | Magnetische Auslösung bei …× In | Typische Anwendung | In Unterverteilungen |
|---|---|---|---|
| B | 3–5-fach | Steckdosen, Beleuchtung, Heizung, IT, Küchengeräte, Warmwasser | Standard — SEW P1/P2/P3 bestückt mit B16 |
| C | 5–10-fach | Motoren, Transformatoren, Klimaanlagen, EVG, Kompressoren | Sonderauftrag (auf Anfrage) |
| D | 10–20-fach | Schweißtransformatoren, Röntgengeräte, Schwermotoren | Industrieverteiler (Hallenverteiler) |
Norm: DIN EN 60898-1 / IEC 60898-1.
Typ B: der Standardfall
In einer normalen Wohnungs- oder Hausinstallation ist Typ B fast immer richtig. Steckdosen, Beleuchtungskreise, Elektroheizungen, Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner erzeugen keinen nennenswerten Einschaltstrom — der LS bleibt beim Einschalten stabil und löst nur dann aus, wenn tatsächlich ein Fehler vorliegt.
SEW P1, P2 und P3 sind deshalb standardmäßig mit B16 ausgestattet: 4× (P1), 6× (P2) oder 5× (P3) Stromkreise für Steckdosen, Licht und Geräte — der häufigste Einsatzfall in Wohngebäuden und leichten Gewerbeobjekten.
Typ C: wenn Motoren oder Transformatoren angeschlossen werden
Motoren ziehen beim Anlauf das 3- bis 8-fache ihres Nennstroms — kurz, aber lang genug, um einen B-LS auszulösen. Das führt zum typischen Fehlerbild: „Der Schalter fliegt raus, wenn ich die Pumpe/Kompressor/Klimaanlage einschalte."
Die Lösung ist meist ein LS Typ C. Er lässt den Anlaufstoß durch, schützt aber die Leitung genauso effektiv bei echter Überlast oder Kurzschluss — nur der magnetische Auslösepunkt liegt höher.
Leitungsquerschnitt und Nennstrom: der häufigste Fehler
LS-Schalter schützen die Leitung, nicht das Gerät. Die zulässige Belastbarkeit des Kabels bestimmt den Nennstrom des LS — nicht der Anschlusswert des Verbrauchers allein:
- 1,5 mm² NYM/NYY → max. B16 (bei Einzelverlegung in der Wand)
- 2,5 mm² → max. B20 oder C16
- 4 mm² → max. B25 oder C20
- 6 mm² → max. B32 oder C25
Die genauen Werte hängen von Verlegeart (Rohr, Kanal, Putz) und Häufung ab — maßgeblich ist DIN VDE 0100-520. Im Zweifel gilt: Leitungsquerschnitt zu einem Elektrofachbetrieb tragen und beraten lassen.
Wann Typ C nicht reicht: Typ D und Anlassgeräte
Schweißtransformatoren, Röntgengeräte oder sehr schwere Drehstrommotoren mit direktem Netzanlauf können Anlaufströme des 12- bis 15-fachen Nennstroms erzeugen — selbst ein C-LS könnte ungewollt auslösen. Hier kommt Typ D (10–20-fach) oder ein Motorstarter (Sanftanlauf/Stern-Dreieck) zum Einsatz. Das ist kein Wohnungs-, sondern Industriegebiet.
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Häufige Fragen zu LS-Charakteristiken
Wann nehme ich Leitungsschutzschalter Typ B?
Typ B ist der Standard für ohmsische und leicht induktive Lasten ohne nennenswerten Einschaltstrom: Steckdosen, Beleuchtung, Heizkörper, IT-Geräte, Kühlschränke, Waschmaschinen. In der Wohnungsinstallation und in normalen Gewerbeobjekten ist Typ B fast immer die richtige Wahl.
Wann brauche ich Typ C statt Typ B?
Typ C ist nötig, wenn beim Einschalten kurzzeitig hohe Ströme fließen: Motoren (Kompressor, Pumpe, Kreissäge), Transformatoren, Leuchtstoffröhren-EVG, Klimaanlagen-Kompressoren. Der magnetische Auslösepunkt liegt bei 5–10× In statt 3–5× — der Anlaufstoß wird toleriert, der Kurzschlussschutz bleibt erhalten.
Kann ich B16 durch C16 ersetzen?
Nicht ohne Prüfung. Ein C16 schützt die Leitung im Kurzschlussfall gleich gut, löst aber bei kleineren Überströmen (3–5-fach In) gar nicht mehr magnetisch aus — das übernimmt dann nur der träge thermische Auslöser. Bei ohmsch belasteten Kreisen (Steckdosen) kann das dazu führen, dass die Leitung bei Überlast länger Strom führt als erlaubt. Querschnitt und Häufung müssen passen. Im Zweifel Fachkraft konsultieren.
Was ist der Unterschied zwischen B16 und B25?
Gleiche Auslösekurve (Typ B), unterschiedlicher Nennstrom. B16 = 16 A (typisch für 1,5 mm²- oder 2,5 mm²-Leitungen), B25 = 25 A (für 4 mm²- oder 6 mm²-Leitungen). Der Buchstabe bestimmt das Auslöseverhalten, die Zahl den zulässigen Dauerstrom.
Liefert Steffens ElektroWorks Unterverteilungen mit Typ C oder Typ D?
Ja — auf Anfrage. Die Standardprodukte P1, P2 und P3 kommen mit B16. Für Werkstätten, Gewerbeobjekte oder industrielle Anwendungen mit Motoren oder Transformatoren bestücken wir auf Wunsch mit C-Charakteristik oder gemischter Bestückung (B für Steckdosen, C für Motor-Abgänge). Anfragen über das Angebot-Formular.