Unterverteilung im Nassbereich:
IP44, IP55 oder IP65 — wann was?
Badezimmer, Carport, Waschküche, Schwimmbad, Außenanlage — je nach Ort und Feuchtebelastung ist ein anderer IP-Schutzgrad vorgeschrieben oder sinnvoll. Dieser Ratgeber erklärt die IP-Codierung, nennt die einschlägigen Normen und zeigt, welcher Schutzgrad wo ausreicht.
Stand: August 2026 · Normen: EN 60529, DIN VDE 0100-701/702/703 · Lesedauer: ~5 min
Die IP-Codierung — was die Ziffern bedeuten
IP steht für Ingress Protection (Schutzart). Die zweistellige Zahl nach „IP" gibt an, gegen was das Gehäuse schützt:
- Erste Ziffer (0–6): Schutz gegen Berühren und Fremdkörper (Staub, Finger)
- Zweite Ziffer (0–8): Schutz gegen Wasser (Tropfen, Spritz, Strahl, Eintauchen)
| IP-Schutzgrad | Wasserschutz | Typischer Einsatzort |
|---|---|---|
| IP20 | Kein Wasserschutz | Trockene Innenräume: Wohnzimmer, trockener Keller, Technikraum |
| IP44 | Allseitiges Spritzwasser (bis 60° von oben) | Bad Schutzbereich 2, geschützter Carport, Waschküche |
| IP54 | Allseitiges Spritzwasser + Staubgeschützt | Landwirtschaft, staubreiche Werkstätten, offener Carport |
| IP55 | Strahlwasser aus jeder Richtung | Außenwand mit Regenexposition, Stallanbau |
| IP65 | Strahlwasser + Staubdicht | Schwimmbad, Außenanlage mit Hochdruckreiniger, Ex-Bereich |
| IP67/IP68 | Kurzzeit-/Dauereintauchen | Unterflurinstallationen, Hochwasserzone, maritime Technik |
Norm: EN 60529 (DIN VDE 0470-1).
Schutzbereich im Badezimmer (DIN VDE 0100-701)
Die Norm teilt Bäder in drei Schutzbereiche ein:
- Schutzbereich 0: Innen der Wanne/Dusche — nur SELV-Geräte (Kleinspannung), IP X7
- Schutzbereich 1: Direkt über der Wanne/Dusche bis 225 cm Höhe — IP X4, SELV oder 20-mA-FI-Absicherung
- Schutzbereich 2: 60 cm seitlich von Wanne/Dusche bis 225 cm — IP X4, FI-Absicherung
- Außerhalb: Normale Installation erlaubt — Unterverteilungen gehören hierher
Carport und Außenanlage
Im geschützten Carport (festes Dach, seitliche Abschirmung) genügt üblicherweise IP44 — direkter Regen trifft den Verteiler nicht. Im offenen Außenbereich (Gartenmauer, Außenwand, freistehende Säule) ist IP54 oder IP65 sinnvoll, weil Regenwasser von schräg und der Wind Wasser von allen Seiten treiben kann.
Hochdruckreiniger sind ein häufig übersehenes Risiko: selbst ein IP55-Gehäuse ist bei direktem Strahl nicht sicher. IP65 bietet die höhere Reserve.
Schwimmbad (DIN VDE 0100-702)
Für Schwimmbecken gelten eigene Schutzbereiche (0, 1, 2) nach DIN VDE 0100-702. Elektrische Betriebsmittel in Reichweite des Beckens (bis 2 m seitlich, bis 2,5 m oberhalb) müssen IP X5 aufweisen. Verteilungen für Filterpumpen, Beleuchtung und Heizung gehören in den Bereich außerhalb (> 2 m) und sollten dort mindestens IP44, bei Freibad-Exposition IP65 haben.
Was SEW-Standardprodukte abdecken
Die Standardprodukte P1, P2 und P3 sind in IP20-Ausführung (Aufputzgehäuse für Innenräume). Für Nassbereich-Anwendungen fertigen wir auf Anfrage Sonderversionen in geeigneten Schutzklassen — IP44 für Badezimmer/Waschküche oder IP65 für Außenanlagen. Anfragen über das Angebot-Formular.
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Häufige Fragen zu IP-Schutzgrad und Nassbereich
Welcher IP-Schutzgrad ist im Badezimmer Pflicht?
Innerhalb der Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701 (Schutzbereich 1 und 2) ist mindestens IP X4 vorgeschrieben. Außerhalb der Schutzbereiche gibt es keinen Mindest-IP, aber IP44 ist praxisüblich für Unterverteilungen im Bad. Unterverteilungen sollten generell außerhalb der Schutzbereiche platziert werden.
Was bedeutet IP44 konkret?
IP44: Erste Ziffer 4 = geschützt gegen Fremdkörper ≥1 mm; zweite Ziffer 4 = allseitiges Spritzwasser (Winkel bis 60° von allen Seiten). Kein Schutz gegen Strahlwasser, Hochdruckreiniger oder Eintauchen. Für geschützte Außenbereiche ausreichend.
Reicht IP44 für den Carport oder Außenbereich?
Im geschützten Carport mit festem Dach und seitlicher Abschirmung in der Regel ja. Im offenen Außenbereich ohne Witterungsschutz (direkte Regenexposition, Wind) empfiehlt sich IP54 oder IP65 — Regen kann aus schräger Richtung treffen. Bei gelegentlichem Einsatz von Hochdruckreinigern ist IP65 zwingend sinnvoll.
Kann ich eine Standard-Unterverteilung (IP20) im Keller verwenden?
Bei trockenen Kellern (keine Kondensation, kein Spritzwasser) ist IP20 erlaubt und normal. Bei feuchten Kellern, Waschküchen oder Hochwasserrisiko empfiehlt sich IP44 oder höher. Bei Druckwassergefahr (Keller unter Grundwasserspiegel) ist IP67 sinnvoll.
Liefert Steffens ElektroWorks Unterverteilungen in IP44 oder IP65?
Ja — auf Anfrage. Die Standardprodukte P1, P2 und P3 kommen in IP20. Für Nassbereich-Anwendungen (Badezimmer, Carport, Außenanlage, Schwimmbad) fertigen wir Sonderversionen in IP44, IP54 oder IP65. Alle Produkte mit Prüfprotokoll nach DIN EN 61439. Anfragen über das Angebot-Formular.