Noch vor fünf Jahren war die typische Hausinstallation überschaubar: Herd, Waschmaschine, Lichtstromkreise. Heute präsentieren Kunden dem Elektrobetrieb häufig eine Liste: Wallbox 11 kW, PV-Anlage 10 kWp, Wärmepumpe 8 kW. Drei leistungsstarke Verbraucher und Erzeuger auf einem Netzanschluss.
Das Problem dabei: Viele dieser Geräte sind technisch einphasig oder werden einphasig angeschlossen — und belasten damit nur eine von drei Phasen. Das Ergebnis ist Schieflast: Die drei Phasen L1, L2 und L3 tragen unterschiedliche Ströme. Das hat direkte Folgen für Leitungsquerschnitte, Neutralleiter-Dimensionierung, Schutzorgane und Netzbetreiber-Compliance.
- Einphasige Wallboxen (3,68 kW, 16 A): Günstig und weit verbreitet — hängen aber komplett auf einer Phase. Bei Gleichzeitigkeit mit anderen einphasigen Lasten auf derselben Phase entsteht thermische Überlast.
- Einphasige PV-Wechselrichter (bis 4,6 kW): Speisen auf einer Phase ein und erzeugen damit eine „negative Schieflast" in die Gegenrichtung. Bei Überschuss-Einspeisung steigt die Phasenspannung auf der Einspeise-Phase leicht an.
- Wärmepumpen mit Frequenzumrichter: Technisch oft 3-phasig, aber der Anlaufstrom kann kurzzeitig asymmetrisch wirken. Frequenzumrichter erzeugen zudem Oberwellen (Harmonische), die den Neutralleiter belasten.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt eine Planungsorientierung. Konkrete Ausführung, Leitungsauslegung und Normkonformität liegen beim errichtenden Elektrofachbetrieb. Maßgeblich sind DIN VDE 0100-Teil 430/520/600 sowie die TAB des zuständigen Netzbetreibers.