Landwirtschaft & Stall

Unterverteilung Landwirtschaft & Stall: DIN VDE 0100-705 erklärt

Stallgebäude und landwirtschaftliche Betriebe stellen besondere Anforderungen an die Elektroinstallation: Ammoniak-Atmosphäre, Hochdruckreinigung, Kriechstromrisiko für Tiere. Dieser Ratgeber erklärt, was DIN VDE 0100-705 vorschreibt und wie eine normgerechte Unterverteilung aussieht.

Normen

DIN VDE 0100-705: Was gilt für landwirtschaftliche Betriebe?

Anwendungsbereich

DIN VDE 0100-705 gilt für feste Installationen in landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebsstätten — also Stallgebäude, Scheunen, Gewächshäuser, Heulager, Melkstände und Außenanlagen auf dem Betriebsgelände. Die Norm greift, sobald Tiere oder Pflanzen gehalten werden und die Installationsbedingungen von Wohngebäuden abweichen.

Besondere Gefährdungen im Stallbereich

Die Norm adressiert vier spezifische Risiken:

  1. Feuchtigkeit und Staub — Kot, Harn, Stallstaub greifen Isolierungen an und fördern Kriechströme.
  2. Ammoniak-Atmosphäre — korrodiert Kupferleiter und Kontakte schneller als in Wohngebäuden.
  3. Mechanische Beanspruchung — Tiere beschädigen Leitungen; freie Verlegung ist zu vermeiden.
  4. Tierschutz-Kriechstrom — Rinder und Schweine reagieren auf Berührspannungen ab ca. 0,5 V mit messbaren Verhaltensänderungen.

Mindestanforderungen an Betriebsmittel

Alle Betriebsmittel in Stallbereichen müssen mindestens IP44 aufweisen. In Bereichen mit Hochdruckreinigung (Melkstand, Schweinestall, Geflügelstall) ist IP55 zu empfehlen, teils vorgeschrieben. Leuchten müssen stoßfest (IK07 oder besser) und spritzwasserfest sein. Kabel sind mechanisch zu schützen — entweder in Stahlrohr, Kabelkanal oder als gepanzerte Leitung (NYY-O/NYFGbY).

Relevante Normen

Landwirtschaft Elektrovorschriften

  • DIN VDE 0100-705 — Landwirt. & gartenbauliche Betriebe
  • DIN VDE 0100-410 — FI-Schutz, Potenzialausgleich
  • DIN VDE 0100-600 — Erstprüfung nach Errichtung
  • DIN EN 61439 — Unterverteilungs-Stückprüfung
  • DIN VDE 0298-4 — Kabelbelastbarkeit, Verlegung

Hinweis: Agrarbau-Richtlinien (DLG, KTBL) ergänzen die VDE-Normen. Bei geförderten Stallbauten (AFP, GAK) prüfen Gutachter die elektrotechnische Planung — normgerechte Unterlagen sind Pflicht.

FI-Schutz & Potenzialausgleich

FI-Pflicht und Tierschutz-Potenzialausgleich

FI 30 mA — keine Ausnahmen

DIN VDE 0100-705 schreibt für alle Endstromkreise in landwirtschaftlichen Gebäuden FI-Schutzschalter mit maximal 30 mA vor. Für Direktheizsysteme (Heizmatten, Infrarotstrahler) und Verbraucherstromkreise >32 A kann ein 300-mA-FI im Hauptstromkreis zulässig sein, sofern zusätzliche Maßnahmen vorhanden sind — im Regelfall bleibt 30 mA die Anforderung.

FI-Typ: A oder B?

Für Stall-Installationen ohne Frequenzumrichter genügt in der Regel FI Typ A (erkennt AC- und gepulste DC-Fehlerströme). Werden Frequenzumrichter für Entmistungsmotoren, Lüftungsanlagen oder Melkroboter eingesetzt, ist je nach Gerätedokumentation FI Typ B erforderlich — das Datenblatt des Frequenzumrichters ist maßgeblich.

Tierschutz-Potenzialausgleich

Rinder, Schweine und Geflügel nehmen Berührungsspannungen bereits ab 0,5 V wahr — weit unterhalb der für Menschen kritischen Schwelle. Fehlströme durch schlechte Potenzialausgleichsverbindungen äußern sich in Milchrückgang, Fress- und Tränkverweigerung, Nervosität. Der Tierschutz-Potenzialausgleich nach DIN VDE 0100-705 verbindet:

  • Alle metallischen Gitterrostverbindungen und Boxentrennwände
  • Tränkebecken und Wasserrohrleitungen (Metall)
  • Stallboden-Armierung (sofern leitfähig verbunden)
  • Melkstand-Metall-Standplatte und Rohrmelkanlage

Alle diese Teile werden mit dem Haupt-Potenzialausgleich (PE-Schiene der Unterverteilung) verbunden. Die Messung des Ausgleichs gehört zur Erstprüfung nach VDE 0100-600.

Praxishinweis

Kriechstrom-Ursachen finden

Auffälliges Tierverhalten (Melkverweigerung, Nervosität, Rückgang der Milchleistung) deutet oft auf ein Kriechstromproblem hin — lange bevor es einen Störungsfall gibt. Vorgehen:

  1. Netzstrom in der Hauptverteilung trennen
  2. Spannung Tier-Standplatz → Boden mit Millivoltmeter messen
  3. Abschnittweise Stromkreise zuschalten → Fehlerquelle einkreisen
  4. FI-Auslösestrom und Potenzialausgleich prüfen

Bei Neuinstallationen: Isolationsmessung und Potenzialausgleichs-Messung stets im Stückprüfprotokoll dokumentieren.

Produktempfehlung

Welche Unterverteilung eignet sich für Stallgebäude?

Typische Verbraucher im Stallbetrieb

Ein moderner Rinderstall mit 50 Plätzen hat in der Regel folgende elektrische Verbraucher je Unterverteilung:

  • Beleuchtung — LED-Feuchtraum-Leuchten, 2–3 Gruppen à 16 A
  • Tränkenheizung — 1 Gruppe à 16 A (Thermostat-geregelt)
  • Entmistungsanlage — 1 Gruppe 3×16 A (Drehstrommotor)
  • Steckdosen — 1–2 Gruppen für Reinigung, Werkzeug
  • Lüftungsanlage — je nach Betrieb 1 Gruppe Drehstrom

P2 als Basis-Stall-Unterverteilung

P2 (369 € netto) ist für mittlere Stallinstallationen geeignet: 3-phasig, 6× LS B16, FI 30 mA Typ A, normgerechtes Gehäuse. Das Stückprüfprotokoll nach DIN EN 61439 ist beigefügt — relevant für Fördermittel-Nachweise (AFP, GAK). Für Hochdruckreinigungs-Bereiche empfehlen wir eine Direktanfrage für IP55-Gehäuse.

P1 für Kleinstgebäude und Nebengebäude

Für kleine Geräteschuppen, Stallnebengebäude oder als Unterverteilung einer einzelnen Verbrauchergruppe (z. B. Tränkenheizung + 2 Steckdosen) ist P1 (159 € netto, 1-phasig, FI + 4× B16) die wirtschaftliche Lösung.

P2 — Stall-Standardlösung

3-phasig, 6× B16, FI 30 mA

Fertig verdrahtet, DIN EN 61439 Stückprüfprotokoll beigelegt. Geeignet für Rinderstall, Schweinestall, Geflügelhaltung (ohne HD-Reinigung direkt an der UV).

369 € netto · Festpreis

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P1 — Nebengebäude / Kleinstinstallation

1-phasig, FI + 4× B16

Für Geräteschuppen, Außenbeleuchtung, kleine Stallanbauten. Kompakt, fertig verdrahtet, Stückprüfprotokoll inklusive.

159 € netto · Festpreis

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Sonderfälle & Planung

Gewächshaus, Melkstand und geförderte Stallbauten

Gewächshaus

IP55 + Korrosionsschutz

In Gewächshäusern kommt Kondenswasser von innen hinzu. DIN VDE 0100-705 fordert IP44 mindestens; bei Nebel-/Beregungsanlagen IP55. Unterverteilung außerhalb des direkten Sprühnebel-Bereichs montieren.

Melkstand

Kriechstrom-kritisch

Melkstände sind elektrisch besonders sensibel: Rinder stehen nass, berühren metallische Gestänge und reagieren auf kleinste Spannungspotenziale. Tierschutz-Potenzialausgleich und 30-mA-FI sind hier unverzichtbar.

AFP / GAK Förderung

Stückprüfprotokoll als Nachweis

Bei geförderten Stallbauvorhaben prüfen Gutachter die elektrotechnische Dokumentation. Das DIN EN 61439 Stückprüfprotokoll unserer Unterverteilungen ist akzeptierter Nachweis der normgerechten Ausführung.

Sonderanfertigung & Anfrage

IP55, Edelstahlgehäuse oder Sonderbestückung?

Für Schweinestall, Melkstand oder Geflügelstall mit Hochdruckreinigung empfehlen wir IP55-Gehäuse oder Edelstahlausführung. Diese Varianten liefern wir auf Anfrage — Konfiguration über den Konfigurator oder direkte Anfrage.

Zum Konfigurator Direktanfrage
Sofort bestellbar · Festpreis · 5–10 Werktage

Passende Unterverteilung direkt bestellen

Fertig verdrahtet, normkonform nach DIN EN 61439, mit Stückprüfprotokoll. Kein Angebot nötig — Festpreis, sofort bestellbar.

Basis · 8 TE

Unterverteilung P1

FI Typ A (30 mA) + 4× LS B16 — für Wohneinheit, Büro oder Werkstatt bis 4 Stromkreise.

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Wallbox · 11 TE

Wallbox-Vorverteilung P3

Hauptschalter 4p + FI 4p Typ A (30 mA) + LS 3p B16 — fertige Absicherung für Wallbox bis 11 kW. Überspannungsschutz optional.

249 € netto · zzgl. Versand

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Wohnungsverteiler · 24 TE

Unterverteilung P2

Hauptschalter 4p + ÜSS Typ 2 + FI 4p Typ A + 6–8× LS B16 — 2-reihig, für Wohnung, Gewerbe oder Werkstatt.

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Stall-Unterverteilung normgerecht geliefert

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3-phasig, 6× B16, FI 30 mA Typ A. DIN EN 61439 Stückprüfprotokoll beigelegt — Fördernachweis inklusive. Für Sonderanforderungen (IP55, Edelstahl): Direktanfrage.