Unterverteilung im Neubau — Planung, Normen, Produktempfehlung
Wie viele Stromkreise, welche TE-Größe, welcher FI-Typ — und wann eine fertig bestückte Unterverteilung die Montagezeit halbiert. Praxisratgeber für Elektrobetriebe und Bauherren.
- 16–24 Stromkreise (ohne Wallbox/PV/Wärmepumpe)
- 36–48 TE für die Hauptunterverteilung (2-reihig)
- FI Typ A Standard · Typ F/B bei Wärmepumpe/Wallbox
- Separate P3-Nebenverteilung für Wallbox (11 kW) empfohlen
- Nebengebäude/Garage: P1 (8 TE) reicht meist
1. Normgrundlagen für Neubau-Unterverteilungen
Im Neubau gelten folgende Normen für die Planung der Unterverteilung:
- DIN VDE 0100-410 (Schutzmaßnahmen): FI-Pflicht für Steckdosen bis 20 A in Wohn-, Schlaf- und Nassräumen; Leitungsschutzschalter als Kurzschluss- und Überlastschutz.
- VDE-AR-N 4100 (Hausanschluss): Anforderungen an den Zählerschrank und die Hauptstromversorgungsanlage — relevant für die Schnittstelle zur Unterverteilung.
- DIN EN 61439-3 (Verteilertafeln bis 250 A): Definiert Bauartnachweis, Erwärmungsnachweis und Stückprüfung für HSHV/UV. Fertig geprüfte Verteiler vom Hersteller sparen dem Elektriker den Eigennachweis.
- DIN VDE 0100-722 (E-Fahrzeuge): Bei Wallbox-Einplanung zwingend lesen — FI-Typ, Leitungsquerschnitt, Potenzialausgleich.
2. Wie viele Stromkreise braucht ein Einfamilienhaus?
Als grobe Orientierung für ein EFH ohne besondere Ausstattung (ca. 150 m²):
| Bereich | Stromkreise | Bemerkung |
|---|---|---|
| Küche | 4–6 | Herd/Backofen (eigener Kreis), Spülmaschine, Kühlschrank, Mikrowelle/Allgemein, ggf. Dunstabzug |
| Wohnzimmer / Esszimmer | 2–3 | Licht + Steckdosen (getrennt empfohlen) |
| Schlafzimmer je | 1–2 | Licht + Steckdosen; bei 3 SZ: 3–6 Kreise gesamt |
| Bad / WC | 2–3 | FI-Pflicht; getrennte Kreise für Licht, Steckdosen, Boiler |
| Keller / Technik | 3–5 | Heizung, Lüftung, Waschmaschine, Trockner, Allgemeinstrom |
| Außen / Terrasse | 2–3 | Gartensteckdosen, Beleuchtung, ggf. Carport |
| Reserve | 2–4 | Mind. 20 % Reserveplatz in der UV einplanen |
| Gesamt (ohne Wallbox/PV) | 16–24 | → 36–48 TE für die Hauptunterverteilung |
Mit Wallbox, PV-Anlage oder Wärmepumpe kommen jeweils 3–6 weitere Stromkreise hinzu. Dann sind 48–60 TE oder eine separate Nebenverteilung sinnvoll.
3. Welcher FI-Typ für welchen Bereich?
FI Typ A
Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme. Standard für Wohnräume, Küche (ohne Frequenzumrichter), Bad. Norm-Mindeststandard für Neubauten.
FI Typ F
Zusätzlich Hochfrequenz-Ableitströme bis 1 kHz. Empfohlen bei Wärmepumpen mit EC-Motoren, Dunstabzügen mit Inverter, modernen Frequenzumrichtern.
FI Typ B
Allstromsensitiv. Pflicht, wenn der Hersteller es vorschreibt — bidirektionale Wallboxen (V2H), WP ohne galvanische Trennung. Teurer, aber manchmal zwingend.
Praxistipp: Im Neubau früh klären, ob eine Wallbox oder Wärmepumpe geplant ist — das bestimmt den FI-Typ der Nebenverteilung und ggf. den Querschnitt der Zuleitung (Wallbox 11 kW: mind. 2,5 mm², oft 6 mm² bei längerer Leitung).
4. Welches Produkt für welchen Bereich im Neubau?
P1 · 8 TE · 159 € netto
FI Typ A 40A/30mA + 4× LS B16. Für Nebengebäude, Garage ohne Wallbox, Kellerbereiche mit bis zu 4 Stromkreisen. Fertig bestückt, geprüft nach DIN EN 61439.
P1 bestellen →P2 · 24 TE · 369 € netto
Hauptschalter + ÜSS + FI + 6–8× LS. Kompakte Unterverteilung für abgetrennte Wohneinheit, Einliegerwohnung oder Bürobereich im EFH.
P2 bestellen →P3 · 11 TE · 249 € netto
Hauptschalter 63A 4p + FI 4p Typ A + LS 3p B16. Fertige Wallbox-Vorverteilung — einbauen, anschließen, fertig. Überspannungsschutz auf Anfrage.
P3 bestellen →Die Hauptunterverteilung eines Einfamilienhauses hat typischerweise 36–60 TE und wird individuell bestückt (mehrere FI-Gruppen, Sonderkreise Herd/Wallbox/PV). Steffens ElektroWorks fertigt auch individuelle Konfigurationen — über den Konfigurator zusammenstellen oder Anfrage stellen.
5. Praktische Planungshinweise für Elektrobetriebe
- Reserveplatz früh einplanen. Mindestens 20 % freie TE reservieren — im Neubau kommen Wallboxen, PV-Speicher und Smarthome-Aktoren oft nachträglich.
- FI-Gruppen aufteilen. Nicht alle Kreise auf einen FI legen — Auslösung bedeutet sonst Totalausfall. Typisch: 2–3 FI-Gruppen (Licht, Steckdosen, Nassräume/Küche getrennt).
- Herdanschluss (16 A dreiphasig). Eigener Stromkreis, eigener LS 3×16A, kein FI zwingend — aber empfohlen.
- Beschriftung auf der Baustelle. Klemmbeschriftung sofort beim Einbau machen, nicht nachträglich — spart Zeit und Fehler.
- Fertig geprüfte UV nutzen. Wenn die Unterverteilung mit Stückprüfprotokoll nach DIN EN 61439 geliefert wird, entfällt die eigene Prüfung auf der Baustelle — nur der Anschluss der Zuleitungen wird dokumentiert.
6. Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet eine Unterverteilung für ein Neubau-EFH?
Die Materialkosten für die Hauptunterverteilung liegen je nach Größe und Ausstattung bei 400–900 € (Elektrohandel, netto). Fertig bestückte, geprüfte Standard-Nebenverteilungen liegen darunter: P1 (8 TE) ab 159 €, P2 (24 TE) 369 €, P3 (Wallbox) 249 €. Hinzu kommen Montage und Kabelarbeit — Richtwert 2–5 Stunden je Unterverteilung.
Mit einer fertig geprüften Unterverteilung entfällt die Prüfzeit auf der Baustelle (Stückprüfung nach DIN EN 61439 ist bereits beim Hersteller erfolgt).
Brauche ich eine separate Unterverteilung für die Garage?
Bei einer angebauten Garage mit 2–4 Stromkreisen reicht eine kleine Unterverteilung wie die P1 (8 TE, FI + 4× LS, 159 €) vollständig aus. Sie wird als Nebenverteiler an die Hauptunterverteilung des Hauses angeschlossen. Bei freistehenden Garagen ist eine separate Zuleitung und UV mit eigenem FI die Regel.
Kommt später eine Wallbox dazu, ist entweder Nachrüstung (eigene Absicherung) oder eine separate Wallbox-Vorverteilung (P3, 249 €) sinnvoll.
Muss eine fertig geprüfte Unterverteilung noch einmal abgenommen werden?
Die Unterverteilung selbst (Schaltgerätekombination nach DIN EN 61439) hat mit dem Stückprüfprotokoll vom Hersteller bereits ihre Typprüfung und Stückprüfung. Was der Elektrobetrieb nach dem Einbau dokumentiert, ist die Anschlussprüfung der Zuleitungen und Stromkreise (Isolationswiderstand, Schutzleiterwiderstand, Auslöseprüfung FI) nach DIN VDE 0100-600. Das ist deutlich weniger Aufwand als eine komplette UV-Eigenprüfung.
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